Sport – Himmel & Hölle

Sport – Mein Himmel und meine Hölle: Bei regelmäßigem Training: Alles himmlisch. Ohne? Höllisch. Obwohl…

irgendwie hab ich’s in letzter Zeit geschafft, mich glauben zu lassen, dass eigentlich alles himmlisch ist, so wie es ist. Wozu dann Sport? Vollkommen überflüssig und schrecklich mühsam. Schließlich ist alles gut, so wie es ist.  Never change a running system heißt es doch immer, oder nicht?

Netter Versuch, Sandra.

grummelt eine altbekannte Stimme in meinem Hinterkopf.

…wir wissen beide, dass weder Running noch systematisches Handeln zu deinen Stärken zählt. Du bist einfach nur faul. Momentan zumindest.

Ist ja gut, ist ja gut. Ich mag bisher zwar noch keinem 100%ig ausgeklügelten System folgen, das mich durch den Alltag leitet – von einem generellen Lebensplan mal ganz abgesehen – aber wenigstens sitz‘ ich nicht Tag für Tag untätig auf der Couch rum. Ganz im Gegenteil! Obwohl ich nicht müsste, stehe ich jeden Morgen um unmenschliche 5:30 Uhr auf und gehe zur Uni.

Aha, ok. Und wie kommst du dahin, zur Uni? Du, als ambitioniertes, gesundheitsbewusstes Menschenwesen? Mit dem Fahrrad, vielleicht?

…Mit dem Zug, grummel ich finster zurück. Aber, setze ich an, wohlwissend, dass diese Diskussion auf lange Sicht nicht zu meinen Gunsten ausgehen kann und auch nicht wird, der Campus ist riesig! Das Gebäude, in dem ich arbeite ist am einen Ende des Campus und das, in dem ich meinen Spanischkurs habe, am anderen. Um vom einen zum andern zu kommen, ist also jede Menge Walking nötig (und das kommt Running ja schon sehr nahe). Jeden Tag ein ca. 15-minütiger Spaziergang zum SRG-Gebäude, ein 10-minütiger Spaziergang zur Mensa, ein.. –  

Ernsthaft?!

unterbricht mich die Stimme,

Du zählst einen 10-minütigen Spaziergang zur Mensa – wo du dir btw wahrscheinlich eh wieder ein buntes Potpourri aus allem Frittierten zusammenstellst und es mit „Pommes und Kroketten sind ja auch nur Gemüse“ als okay absegnest – als Sport?!

Aber…

Kein „Aber“ mehr, Sandra. Reicht jetzt. Wird auch langsam peinlich. Check die Seite vom Hochschulsport, such dir ’nen schweißtreibenden Kurs raus und ab geht’s.

Hab ich schon erwähnt, dass ich ’ne Schrittzähler-App auf meinem Handy habe? Jeden Abend guck ich drauf. Oft sagt sie mir dann, ich hätte 10.000 Schritte gemacht. Zehntausend! Also wenn das nichts ist…

Sandra…

Das ist total überdurchschnittlich. Ich kenne jede Menge Leute, die’s auf viel weniger Schritte pro Tag bringen.

Come on…

Manche schaffen nicht mal 5.000!

EIN SCHRITTZÄHLER IST KEINE ENTSCHULDIGUNG, SANDRA! Ein Schrittzähler ist für Renter. Oder für Leute, die größere OPs hinter sich haben und sich buchstäblich Schritt für Schritt wieder ins Leben kämpfen. Oder für Leute über 50. Wie auch immer. Keiner davon bist du. Also hör mir zu: Es ist vorbei. Keine Ausreden mehr. Du wirst wieder anfangen zu trainieren. Heute. Ende der Diskussion.

Aber…

Ende.

Der.

Diskussion.

Ja ok, meinetwegen… Hast gewonnen. Scheiss Gewissen…

Also… nach dieser kurzen Debatte zwischen meinem inneren Schweinehund auf der einen und der Stimme der Vernunft (Buuhhh, langweilig!) auf der anderen Seite hab ich tatsächlich meine Sachen gepackt – T-shirt, Leggins, Sport-BH – und mich in den Zug zur Uni geschwungen.

Während ich das schreibe, bin ich bereits im Zug zurück nach Hause: Nach Atem ringend, komplett konditionslos, stolz. Alles zusammen. Ich hab’s durchgezogen. Ich lebe noch. …Und auch die anderen leben noch. Und das, obwohl ich mehrmals das enorme Bedürfnis verspürte, dieser unbarmherzigen Step Aerobic Trainerin meine 1-Kilo-Hanteln mal aus nächster Nähe zu zeigen. Einfach, weil ich sie zu einer empathischeren Person machen wollte. Ich wollte ihr helfen, und zwar dabei, sich in mich hinein zu versetzen und den Schmerz zu spüren, den ich in dem Moment spürte. Überall. Am ganzen Körper. Ein Schmerz, den sie vermutlich schon seit langer Zeit nicht mehr gefühlt hat. Zumindest sah sie nicht danach aus. Der Ausdruck in ihren Augen flammte regelrecht vor Ehrgeiz und Ausdauer. Noch dazu war sie fit – wesentlich fitter als ich – was es mir nicht gerade leichter machte, sie zu mögen…

Gleichzeitig verspürte ich für sie aber auch einen Funken Bewunderung. Und dann war da natürlich Eifersucht. Und Wut. Größtenteils auf mich selber. Nichtsdestotrotz fand ein Teil von mir nach wie vor großen Gefallen an der Vorstellung, ihr mein Paar Hanteln gegen die Birne zu donnern.

Aber ich hab’s gelassen.

Weil ich eine sehr freundliche Person bin. Eine vernünftige Person.

Ehm….

Wie gesagt,

Eine vernünftige. Person.

Von heute an.

P.S.: Falls ihr Euch fragt, wie viel diese Story mit dem eigentlichen Thema meines Blogs zu tun hat – Leben und Arbeiten in der Dominikanischen Republik – dann lasst Euch gesagt sein: Nicht gerade viel.

Allerdings soll dieser Artikel als eine Art Reminder fungieren. Er soll mich daran erinnern,  dass ein neues Umfeld – die Dominikanische Republik – mit Sicherheit keinen Grund darstellt, meine sportlichen Aktivitäten von jetzt auf gleich auf Eis zu legen. (Würd eh schwierig werden… Eis… DomRep… unwahrscheinlich! :D) Also, falls ich Anfang September noch nicht enthusiastisch über neue sportliche Hobbies berichtet haben sollte, dann spielt gerne die nervige Stimme der Vernunft und hakt mal genauer nach. Ich bin selbst sehr gespannt, wie sich das alles entwickeln wird und wo ich am Ende stehe. Himmel oder Hölle? 😉

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