Heiß & verpeilt

Die beständige Hitze hier ist – vor allem aus Sicht einer Sauerländerin – ein Phänomen, an das ich mich noch lange nicht gewöhnt habe. Solide 25-35°C bei 60-70% Luftfeuchtigkeit. Puh.

Die Sonne geht auf. Der Tag beginnt. Das Leben ist schön. Das Fenster ist offen, aber es weht kein Wind. Mein Zimmer: Durchtränkt mit Sonnenstrahlen. Ich öffne die Augen: Durchtränkt mit Schweiß.


So geht das eigentlich den ganzen Tag über: Ich steh auf, mach mich frisch, zieh mich an – und schwitze. Meistens sogar, bevor ich die Klamotten überhaupt an habe. Dann wird gefrühstückt. Im Esszimmer ist es angenehm kühl und ich aklimatisiere mich wieder ein bisschen. Soll heißen, Ich gewöhne mich wieder an angenehm-frische Temperaturen. NICHT GUT.

30 Minuten später geht’s dann raus. Noch schnell ein Hasta luego zur Gastmutti und schon bin ich mit einem Fuß aus der Tür…, Schloss…., da war doch was, an das ich denken wollte… aah, Schlüssel! Natürlich nicht eingepackt. Das ist mir schonmal passiert. Und auf die Maßnahmen, die ich im Zuge dessen ergreifen musste, bin ich nicht stolz. Also nochmal zurück, ein peinlich-dümmliches Grinsen in Richtung Gastmutti, ins Zimmer flitzen, Schlüssel einstecken und auf geht’s.

Sonnenstrahlen_AufundnachDom_Blog


Bei diesem Anlauf setze ich nach dem ersten nun auch den zweiten Fuß vor die Haustür – und schwitze.


Heute ist der erste Tag, an dem ich zu Fuß zur Arbeit muss. Hört sich an, als hätte ich bis dato einen wochenlangen Mitnahmeservice genossen, von dem ich mich nun unmöglich entwöhnen kann. Ha, de facto ist es aber erst mein zweiter Arbeitstag. An den Shuttle von Tag 1 hätte ich mich trotzdem gerne gewöhnt. Tja, Tag 2 und der Luxus ist vorbei.

Mit dem Auto waren es etwa 5 Minuten, zu Fuß 20 – theoretisch. Der Weg war Gott sei Dank leicht zu merken: Berg hoch, links, wieder links, laaaange geradeaus, links, Berg runter, rechts, da.


Zwischen 8.00 und 8.15 Uhr soll ich da sein. 7:55 Uhr verlasse ich das Haus. Verdammt, warum ist das eigentlich immer so knapp bei mir? Deutsche Pünktlichkeit geht anders… Naja. Obwohl ich schon nach wenigen Metern spüre, wie meine Wangen zu glühen beginnen, ist das Klima eigentlich ganz angenehm. Das sagt zumindest mein Kopf. Mein Kopf und mein Körper scheinen jedoch nicht einer Meinung zu sein.


Hirn: Angenehm. Das Klima ist morgens echt angenehm. Frisch. Luftig. Muy agradable.

Kreislauf zu Hirn: Ja, hmhm, was auch immer. SCHWEISS! Wir brauchen mehr SCHWEISS!


So lauf ich also zwiegespalten durch die Gegend und genieße die ruhigen Straßen und das sanfte Getuschel der Nachbarn, an denen ich vorbeigehe. Ich biege links ab und überspringe ein paar tiefere Pfützen. Dann hört der Bürgersteig plötzlich auf und ich wechsel die Straßenseite. Das ist aufgrund der zahlreichen Mofataxifahrer gar nicht so einfach! Aber um die Zeit geht’s echt noch.


IMG_05092017_0809228:06 Uhr. Das sollte gut passen. Vor 8:15 Uhr schaffe ichs auf jeden Fall. Von rechts kräht mich ein aufgescheuchtes Huhn an, das am Zaun eines Grundstücks auf Futtersuche scheint. Ich krähe zurück. Natürlich nicht, ich bleibe ganz cool, um es nicht noch weiter zu verwirren. Es guckt mich dennoch dumm an und ich frage mich zwangsläufig, ob es wohl meinen deutschen Akzent raushören würde, wenn ich zurückgacker. Hm. Gleich müsste es rechts ab gehen. Das gleißende Licht der Sonne blendet mich, ich laufe ihr direkt entgegen. Irgendwas liegt da vorne mitten auf der Straße. Und es bewegt sich. Jetzt erkenne ich, dass es sogar mehrere Teile sind, drei an der Zahl. Definitiv größer als ein Huhn. Jetzt dämmert es mir… Straßenhunde. Och nö. Zum Hitzeschweiss mengt sich Angstschweiss. Wie oft sind wir damals, in Thüringen, beim Vorbereitungsseminar, vor solchen Hunde-Gangs gewarnt worden? Oft. Wie oft hab ich die dort demonstrierten Abwehrtechniken für den Ernstfall geübt? Cero. Nie.

Plötzlich schießt mir ein spanisches Lied in den Kopf, das ich zuletzt Jahre zuvor gehört habe… A la mierda lautet der Refrain. Glaub eine Übersetzung erübrigt sich. Wie war denn noch diese Bewegung verdammt? Und, täusche ich nur an oder sollte ich mich tatsächlich bewaffnen?


Wuff.


Die Zeit, die ich gebraucht hätte, um in den Windungen meines erhitzten Hirns eine Lösung ausfindig zu machen, habe ich offensichtlich nicht mehr. Der Boss der Bande nimmt Kurs auf mich. Sein Bellen ist zwar nur ein angetäuschtes Bellen, aber es reicht, um seine Muchachos auf mich aufmerksam zu machen. Sie bringen sich in Position. Der mit der großen Klappe geht  langsam auf mich zu. Er ist klein, aber sein Ego ist riesig.


„Kein Problem“ sagt mein Hirn, „Kein Problem. Du kannst gut mit Tieren und außerdem biegst du gleich eh rechts ab. So weit kommen die bestimmt nicht mit.“


Eine Hand vor die Stirn haltend, versuche ich den Weg besser einschätzen zu können. Und ich sehe…. Eine Sackgasse. WTF. …Häh? Seit wann… wieso… coño. Wieso passiert sowas immer mir?Sackgasse_Jarabacoa_DomRep


„An alle verfügbaren Einheiten: Machen sie sich für den Ernstfall bereit. Wir brauchen: Adrenalin, viel Adrenalin, Überlebenswillen und – wie sollte es anders sein – Schweiss! SOFORT!“ schallt es durch meinen Körper.


Als ich mich gerade darüber ärgern will, dass ich nun definitiv zu spät zur Arbeit kommen werde, stupst etwas gegen mein Bein. Was zur…?


>>Zur Fortsetzung

3 Gedanken zu “Heiß & verpeilt

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