Was machst du da eigentlich? – Der 1. Monat

An unserem 1. Arbeitstag wurden meine Mitfreiwillige und ich super herzlich in Empfang genommen. Es gab eine kleine Vorstellungsrunde und alle waren hoch erfreut darüber, dass wir uns schon auf Spanisch verständigen konnten.

Wobei „verständigen“ in diesem Zusammenhang wohl eher ‘ne kleine Hyperbel darstellt – gut möglich, dass es auf die Plan Yaque Mitarbeiter so wirkte, aber die angebrachtere, weniger übertriebene Bezeichnung für das, was Vanessa und ich an jenem Tag abgeliefert haben, wäre wohl eher: Wir haben uns VORGESTELLT. Mit einem schönen auswendig gelernten Text. Höhö.


Jedenfalls besteht Plan Yaque aus einem 10-köpfigen Team, das Vanessa und ich nun um zwei Personen erweitert haben. Das Bürogebäude befindet sich im 1. Stock, direkt über dem dominikanischen Umweltministerium. Es besteht beinah komplett aus Holz: Holzwände, Holzdach, Holztüren, Holztische… Richtig schön. 🙂

Auf und nach Dom - Sandra bei Plan YaqueWährend uns beim Vorbereitungsseminar in Deutschland immer wieder gesagt worden ist, wir sollten uns in den ersten Wochen in Entspannung üben, Vokabelhefte mitnehmen und uns selbst beschäftigen, haben wir hier eine vollkommen gegenteilige Erfahrung gemacht. Direkt nach der Vorstellungsrunde gab’s direkt die ersten Aufgaben – von wegen Entspannung! Eines der ersten Worte, die wir hier gelernt haben, war trabajador, muy trabajador, was so viel wie arbeitsam oder fleißig bedeutet.


Um nun endlich auf den Punkt zu kommen, gibt’s nachfolgend eine Beschreibung unserer Aufgabenfelder:

  1. Doku der Wasserqualität
  2. Daten zu Land & Leuten einpflegen
  3. Projekt Müllvermeidung/ – reduzierung/ – entsorgung
  4. Exkursionen aufs Land & zu Projektpartnern
  5. Raum für eigene Projektideen

1. Doku der Wasserqualität

Wie der Name von Plan Yaque schon verrät, dreht sich hier beinah alles um den Río Yaque, den längsten Fluss des Landes. Viele Leute beziehen Wasser aus dem Río Yaque und seinen Ausläufern, was eine regelmäßige Überprüfung der Wasserqualität so wichtig macht. Nachdem Vanessa und ich die ersten Wochen damit beschäftigt waren, die Daten der letzten Jahre bzgl. der Wasserqualität zu digitalisieren (also in eine Excel-Tabelle zu übertragen), hatten wir neulich das erste Mal die Gelegenheit, bei den Erhebungen live dabei zu sein. Yay! 🙂 IMG_19092017_105609

Erst wurden uns die einzelnen Geräte erklärt, dann ging’s los ins Landesinnere. Genau genommen liegt unser Standort, Jarabacoa, auch im Landesinneren, aber bei der Fahrt in den Nachbarort Manabao hatte man einfach das Gefühl, mit jeder Kurve und jeder sich aufwärts-schlängeln Serpentine dem gut versteckten Herz des Landes ein Stück näher zu kommen. Die Straßen wurden schlechter, die Schlaglöcher wurden mehr, die Luft besser, der Wald dichter. Schließlich bogen wir rechts ab in einen kleinen, ungeteerten Weg. Dort wurde das Equipment ausgebreitet und schon stand unser Kollege mit beiden Beinen im Fluss.

IMG_19092017_121044Oder Bach. Eher ein Bach, denn von der Dramatik eines reißenden Fluss hatte dieser putzige Flussarm eher wenig. Vanessa und ich standen daneben. Die Zettel mit den Daten, die wir bis dato digitalisiert hatten, durften wir nun selber ausfüllen – was wesentlich spaßiger war! Gemessen wurden z.B. die Ammoniak-, Sauerstoff-, Nitrat- und Trübheitsgradwerte. Super spannend alles. Umso gespannter bin ich auf die Grafik, die wir mit den gesamten gesammelten Werten erstellen werden. Dann können wir ablesen, wie sich die Wasserqualität in den letzten Jahren verändert hat und uns entsprechende Maßnahmen überlegen.


2. Daten zu Land & Leuten einpflegen

Eine  weitere Excel-Tabelle, an der wir momentan arbeiten. Hierbei geht es um Land & Leute, d.h.: Wie sind die Lebensbedingungen in den einzelnen Gemeinden? Gut/ Durchschnittlich/ schlecht? Wie viel Land besitzen die Leute – besitzen sie überhaupt Land? Wenn ja: Was bauen sie an – Bananen, Kaffee, Erdbeeren? Das ganze Jahr über oder nur zu bestimmten Jahreszeiten? Was sind die Leute von Beruf? Welchen Organisationen gehören sie an? Und und und…. Auch richtig interessant. Wenn ich mich recht erinnere, werden die Daten u.a. dazu benötigt um abzugleichen, wie sich die Bewirtschaftung des Landes auf die Wasserqualität des entsprechenden Flussausläufers auswirkt.


3. Projekt Müllvermeidung/ – reduzierung/ – entsorgung

Das Thema, mit dem wir uns während dieses Jahres in der Dominikanischen Republik wohl am intensivsten beschäftigen werden, ist das Thema Müll. Um einen Eindruck davon zu bekommen, wie hierzulande der Müll entsorgt wird, sind unsere Kollegen mit uns schon relativ früh auf eine offizielle Müllkippe gefahren.

IMG_13092017_111039

Zunächst ging es wieder den idyllischen, ruckeligen Weg über Stock und Stein hinauf, dann in ein kleines Dörfchen mit grünen Wiesen und freilaufenden Kühen, dann einen äußerst schmalen, enorm unebenen und abnormal steilen Feldweg hinauf und dann waren wir plötzlich mittendrin. Wie eine Art Vorhut lag ein fehl-am-Platz-wirkender, zerrissener Müllbeutel am Wegesrand – dann noch einer, dann zwei weitere und dann war auf einmal alles voll. Inklusive etlicher auf ganz unterschiedliche Weise übel riechender Düfte…


Das ist sie also, dachte ich, die Müllhalde von Manabao.


Ein Meer aus Müll. Unsortiert. Teils schon verrottet, aber der Großteil würde wohl niemals vollständig verrotten. CDs, Plastikflaschen, Schuhe, Regenschirme, Porzellan-Teller, Eierkartons, PLASTIKTÜTEN, Konservendosen, Verpackungen von Tabletten, Stoffbeutel, Plastikbesteck, Decken, Dosen mit Farbresten, Handtaschen, Tetrapacks, Glasflaschen, Gartenstühle… und mittendrin ein kleiner Hund, der nach Futter für seinen Welpen gesucht hat.

Plan Yaque in Manabao - Auf und nach Dom

Quelle: Google Maps


Auf eine Weise hat mich das alles ziemlich gelähmt – ich stand zumindest ‘ne Zeit lang wie paralysiert in der Gegend rum und hab kein Wort gesagt. Auf einen derartigen Szenerie-Wechsel war ich nicht vorbereitet – von luftigen Berglandschaften IMG_13092017_110257und saftig-grünen Weiden zu… diesem zwar todesstillen, aber dennoch alles andere als friedlich-wirkenden friedhof-artigen Ort. Eigentlich müsste ich dem einen eigenen Blogbeitrag widmen. Jedenfalls wusste ich dann, inmitten meiner Ohnmacht, wieder zu 100% warum ich hier bin. Nicht etwa, um mir ein laues, lustiges Jahr zu machen – das war nie meine Motivation – sondern um etwas zu ändern. Um DAS zu ändern. Und zwar auf eine nachhaltige, funktionierende Weise, die von der Bevölkerung akzeptiert und gelebt wird.


4. Exkursionen aufs Land & zu Projektpartnern

Jetzt bin ich emotional noch so bei Punkt 3 stecken geblieben, dass ich erstmal kurz durchschnaufen muss. Also. Kommen wir nun wieder zu den schönen, (im positiven Sinne) aufregenden Seiten meines Jobs. Wenige Tage nach der Exkursion zur Müllhalde haben wir den Bürgermeister im Nachbardorf besucht. Unser Chef war höchstpersönlich dabei, was ich ihm enorm hoch anrechne. V.a. war er nicht einfach nur physisch, aus repräsentativen Gründen dabei, sondern wirklich mit Feuer und Flamme. Er will, dass sich etwas ändert, weil er weiß, dass es so nicht weiter gehen kann. Und er scheut nicht davor zurück, das auch anzusprechen und den Leuten die Augen zu öffnen. Unmittelbar neben der Müllhalde befindet sich beispielsweise ein Fluss, aus dem zahlreiche Menschen ihr Wasser beziehen…IMG_14092017_093041

Vom Bürgermeister von Manabao mal abgesehen, pflegt Plan Yaque noch viele weitere Freundschaften und Kooperationen, z.B. mit Baumschulen und Landwirten. Erst kürzlich durfte ich mit aufs Campo (aufs Land), um junge Macadamiabäume auszuliefern, die in den Bergen der DomRep angepflanzt werden sollen, um den Boden fruchtbar zu halten und als Nahrungsquelle zu dienen.

Außerdem sind wir eng mit der Umweltschule (La Escuela del Medio Ambiente) vernetzt, wo auch zwei Freiwillige von Ecoselva e.V. arbeiten. Gelegentlich gehen wir mit zu einer Art Geographie-Unterricht, wo die Schüler das Erstellen von GIS-Karten lernen.


5. Raum für eigene Projektideen

Yay! Eine der Sachen, die mir an Plan Yaque am meisten gefällt: Wenn ich irgend eine zündende Idee habe, die dem Umwelt- und Gewässerschutz zu Gute kommt, kann ich sie direkt mit der vollen Portion angestauter Euphorie verkünden, und zwar OHNE dass ich – wie es bei vorherigen Praktika in größeren Unternehmen schon viel zu häufig der Fall war – noch bevor ich zum Punkt gekommen bin, mit einem aufgesetzt-überlegenen Lächeln abgewimmelt werde à la „nette Idee, aber das passt leider nicht zu unserem Unternehmensbild….“ Ha! Und das fühlt sich verdammt gut an.

An einer Idee arbeite ich gerade unter Hochdruck – PowerPoint-Präsentation steht schon, jetzt noch ein bisschen am Konzept pfeilen und alles in ein verständliches Spanisch verwandeln …und auf geht’s zum Chef! Noch wird nichts Genaues verraten, aber ich halte Euch auf dem Laufenden, sobald sich was Konkretes ergibt! 🙂


Sandra in der Dominkanischen Republik (aufundnachDom)


 

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