Aus Müll mach schön

Pfandsystem, qué es? Für die DomRep ein Fremdwort – und das sieht man. Plastikflaschen in Straßengräben, in Flüssen, in Waldabschnitten, in Vorgärten. Glücklicherweise durfte ich letzte Woche eine Organisation kennenlernen, die auf diese Problematik aufmerksam machen will: Dominicana Limpia.

Dominicana Limpia setzt sich, wie der Name schon sagt, dafür ein, dass die DomRep sauber wird. Und im Idealfall auch bleibt. Letze Woche hatte ich während eines Meetings bei Plan Yaque die Gelegenheit, diese Organisation besser kennenzulernen.


Das ist von der detaillierten Mülltrennung, wie man sie von Deutschland her kennt, zwar noch ein gutes Stückchen entfernt, aber es ist ein wichtiger erster Schritt. Sie würden in puncto Mülltrennung gerne mit Plan Yaque zusammen arbeiten, doch meine Kollegen äußern schon bald erste Zweifel…

Upcycling Weihnachtsdeko Plastik

Quelle: Rathaus Jarabacoa (Instagram)

Ihre Sorge ist, dass die Einwohner Jarabacoas zu sehr in ihren Routinen und Alltagsmustern festgefahren sind und die Mülltrennung für sie eher eine Belastung als eine Belastung als eine Bereicherung darstellen würde. Was hätten sie denn davon, außer zusätzlichen Aufwand und Zeitverschwendung? Müll am Straßenrand sähe zwar nicht gut aus, aber daran könne man sich gewöhnen. Und notfalls räumt man halt mal auf, dann ist es für ein paar Tage wieder schön.

Das Problem hierzulande ist, dass Müll für den Großteil der Bevölkerung lediglich ein ästhetisches Problem darstellt – die Umwelt wird das schon verkraften, und ich auch. Warum auch nicht? Bei mir zuhause ist es doch sauber, also werde ich auch nicht krank.  …Hab ich noch nie jemanden sagen hören, aber ich würde fast vermuten, dass der momentane Umgang mit Müll auf ähnliche Denkmuster zurückgeführt werden könnte. Das würde zumindest einiges erklären.


Mülltrennung

Mülltrennung

Broschüre zum Thema Mülltrennung von Dominicana Limpia


Dominicana Limpia möchte also verschieden farbige Mülltonnen aufstellen und den einzelnen Gemeinden Jarabacoas durch Vorträge und Broschüren erläutern, was es damit auf sich hat. An sich eine gute Idee. Plan Yaque fragt sich jedoch, ob wirklich jeder diese Mülltonnen erreichen kann (und auch will) und ob es nicht logischer wäre, wenn jeder zuhause seinen eigenen Kompost aus organischem Müll herstellen würde, sodass es überflüssig wird, den organischen Abfall in eine (schwarze) Plastiktüte zu packen, um ihn dann in eine schwarze Mülltonne zu werfen, deren Standort noch unbekannt ist.

Eigentlich geht das Meeting nur ca. 40 Minuten, aber jede dieser Minuten wird genutzt. Es werden Vorschläge gemacht, Ergänzungen, Bedenken geäußert und schließlich auch gemeinsame Pläne für die Zukunft geschmiedet und die Hauptproblematiken herausgearbeitet.


Hauptproblem #1: Viele Plastikartikel, allen voran Plastiktüten, bekommt man umsonst oder zu einem sehr geringen Preis. Daher sind sie so beliebt.

Hauptproblem #2: Für die Müllentsorgung muss nicht gezahlt werden, sodass keinerlei Anreiz besteht, den individuellen Müllkonsum zu reduzieren.

Gemeinsame Pläne: Anreize schaffen, weniger Müll zu produzieren, Müll wiederzuverwerten und/oder zumindest zu trennen, damit er recycelt werden kann. Merken kann man sich die „Drei R“: Reduce, reutilza, recicla: Reduzieren, wiederverwenden, recyceln. Eine konkretere Idee, die geäußert wurde, bestand darin, alle Leute, die ihren Müll bereits trennen (wie findet man das nun aber heraus?), zu einer Weihnachtstombola einzuladen, bei der es nur Gewinne gibt und dementsprechend jeder für sein vorbildliches Verhalten belohnt wird. 🙂


Eine weitere Maßnahme seitens Dominicana Limpia in puncto Sensibilisierung für das Thema Müll bestand in einem Recycling-Workshop. Zu diesem wurde das gesamte Plan Yaque Team herzlich eingeladen und ich habe mich direkt mal auf die Teilnehmerliste setzen lassen. Der Workshop mit dem Titel „Taller de Reciclaje“ fand diesen Montag statt und war – das muss ehrlicherweise dazu gesagt werden – eher ein „Upcycling“- als ein „Recycling-Workshop“. Beim Upcycling wird etwas altem und unbrauchbarem wie einer Plastikflasche neues Leben geschenkt. Das Produkt wird häufig vollkommen zweckentfremdet und am Ende in einem komplett neuen Kontext verwendet. Innerhalb dieser Verwandlung gewinnt es an Wert, weshalb man von „Up“-cycling spricht. Mehr Infos zum Thema gibt es z.B. hier: http://umwelthandbuch-stuttgart.de/haushalt/13-haushalt/24-recycling-artikel.html


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Auf dem Workshop: Verteilen der Materialien

Llegó el día del taller. Der Tag des Workshops war schließlich gekommen. Stattgefunden hat alles in den Räumlichkeiten der Feuerwehr. Ein schöner, großer, kühlschrankkalter Raum mit hölzernen Basteltischen und vielen motivierten Gesichtern. Ich habe 7 kleine (0,5l) und eine große (1,5l) Plastikflasche mitgebracht. Vorne steht ein langer Tisch, der bereits mit Plastikflaschen jeglicher Farbe und Größe – sogar mit großen Botellons (die fassen ca. 18l Wasser) vollgestellt ist. Ich stelle meine dazu und helfe beim sortieren. Die Deckel werden alle abgemacht und in einer Tüte separat gesammelt.

Das Rathaus von Jarabacoa arbeitet Hand in Hand mit Dominicana Limpia zusammen und der Bürgermeister erscheint sogar pünktlich zum Auftakt des Workshops, um ein paar Worte zu sagen. Er spricht über die Wichtigkeit von Mülltrennung und Recycling und vergisst dabei nicht, den TeilnehmerInnen mehrmals herzlich für ihr Interesse und ihr Engagement zu danken. Dans motiviert auf jeden Fall nochmal und man fühlt sich am rechten Platz. Anschließend geht es los und zwei Damen von Dominicana Limpia übernehmen.


Das Thema ist Weihnachtsdekoration. Insgesamt gibt es drei Runden. In der ersten bekommt jede/r 11 kleine Plastikflaschen der gleichen Größe und Marke vorgesetzt. Aus diesen basteln wir eine Art Kranz, der später an die Haustür gehangen werden kann. Alle nötigen Materialien wie z.B. Scheren, Sägen, Cuttermesser (was ist das eigentlich für ein sinnfreier Name?! Ist mir nie aufgefallen), Draht, Klebepistolen und ein ziemlich heiß werdender Metallpiekser zum Belochen der Plastikflaschen werden zur Verfügung gestellt.

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Das wird mal eine ganz hübsche Tür- oder Wanddeko

Der Kranz wird riesig, viel größer als ich dachte, und ich frage mich jetzt schon, ob ich den lieber bei meiner Gastfamilie oder bei Plan Yaque aufhängen sollte. In der zweiten Runde kriegt jeder drei große Plastikflaschen, wovon eine ein bisschen größer ist als die anderen beiden. An diesen wird nun wild rum geschnippelt, sodass schließlich aus dem oberen Teil der Flaschen, sprich, aus den Flaschenhälsen, eine Art Weihnachtsstern zusammengesteckt wird. Auch die unteren Teile werden raffiniert zusammengesteckt und sollen einen Apfel darstellen.

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Ein noch ungefärbter Weihnachtsstern. Funfact: Die Pflanze „Weihnachtsstern“ heißt hier „Flora de Pasqua“ – wörtlich übersetzt „Oster-Blume“ 🙂

Wie ich erfahre, geht der Workshop am darauffolgenden Tag weiter. Leider kann ich das aber nicht einrichten, da ich da schon zum Standdienst auf der Ökotourismus-Messe eingeteilt bin. Ich lasse mir jedoch von einer Bekannten von Dominicana Limpia ein Bild von den Resultaten schicken. Die Ergebnisse können sich echt sehen lassen, v.a. allem in Kombination mit den glücklichen Gesichtern der TeilnehmerInnnen. Der Workshop diente, so wie ich ihn erlebt habe, lange nicht nur dem Zweck der Weihachtsdeko-Erstellung, sondern vordergründig der Aufklärung. Immer wieder gab es spontane Kurzreferate der Organisatoren, wenn die Teilnehmer Fragen zum Thema Müll, Recycling und Upcycling stellten.


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Die Upcycling-Truppe präsentiert den Weihnachtskranz inkl. Weihnachtsstern.

Ein paar Tage später erfahre ich, dass Dominicana Limpia plant, den Upcycling-Workshop regelmäßig einzurichten, also z.B. jede Woche oder 2x im Monat. Das fände ich natürlich großartig – nicht zuletzt aus dem Grund, dass ich dann selber nochmal hingehen könnte und meine Weihnachtsdeko tatsächlich noch vor Weihnachten fertig bekommen würde. Meine Gastmutter hat da nämlich schon ordentlich vorgelegt. Das ganze Haus erstrahlt in Rot-Grün-Tönen und auf dem Sofa sitzen kleine Plüsch-Nikoläuse. Aber an meiner Zimmertür wäre noch Platz…. Noch…

 

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