5 al día – Día #28

Wuhuuu Tag 28!! D.h., ich habe beinah einen Monat lang und definitiv 4 Wochen lang durchgehalten! Und wow, das bedeutet auch, dass die Zeit nach wie vor rennt. Sie rast vielmehr. Das wurde mir auch heute, auf der Arbeit, einmal mehr bewusst. Ich saß mit meinem Kollegen Manuel auf einer Bank, irgendwo weit draußen, auf dem Campo, in den Bergen Constanzas, als er mich fragte, wie lange ich noch bleiben würde. „Die Hälfte habe ich bald rum“, war meine Antwort, „es bleiben also nochmal 6 Monate.“

Manuel wandte den Kopf zu mir und war sichtlich geschockt. Rückblickend frage ich mich, ob er in meinem Gesicht denselben Schock wahrgenommen hat. „Sechs Monate… das wird verdammt schnell rumgehen“, sagen wir beinah gleichzeitig – jedoch mit anderen Worten. Es kam und kommt mir immer noch so vor, als würde dieser Moment ewig dauern. Dieser bisher wunderschöne Tag, all die fröhlichen Gesichter, die freilaufenden Hühner, die gobbelnden Puten, die mir geschenkte süße Maracuja vom Feld nebenan, die ungewohnt frisch-kühle Luft – all das gefriert.

In diesem Moment blende ich all das aus, all die mich umgebende Schönheit. Keine Stimmen, keine Farben, keine Gerüche. „Sechs Monate…“ – einzig dieser Gedanke bleibt. Er schwebt in einer nebligen Wolke vor mir. Er ist gleichzeitig fern und doch nah, verschwommen, aber zur selben Zeit eindeutig sichtbar. Ich weiß, dass er gleich weiterziehen wird, dieser Gedanke, ich muss ihn ziehen lassen. Aber ich weiß auch, dass er wieder kommen wird – früher oder später. Ich tauche auf.

Meine Benommenheit verschwindet und die Leute lachen wieder, der Hahn kräht und schüttelt sich, der Duft nach frischem Reis findet den Weg in meine Nase und ich kriege einen Cafecito in einer Weihnachts tasse in die Hand gedrückt während ein anderer Kollege, Julián, mir sanft auf die linke Schulter klopft und einem befreundetem Landwirt erklärt, dass das Thema Müllentsorgung mich sehr interessiert und dass ich ihnen helfen werde. Ich blicke hoch zu dem Campesino, nach rechts zu Manuel und links oben zu Julian und lächle.

Así es“ – antworte ich, „so ist es“.

  1. Una persona no vidente – ein/e Blinde/r
  2. la granadilla – die süße Maracuja
  3. verträumt – soñador/-a
  4. alzado/-a – wild, unzivilisiert (bezogen auf Menschen, nicht abwertend sondern eher freundschaftlich-scherzhaft gemeint)
  5. stumm – mudo/-a

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