Glauben

In meinen mittlerweile 10 Monaten DomRep hab ich nur einen einzigen Dominikaner kennengelernt, der nicht an Gott glaubt. Alle anderen sind der Ueberzeugung, dass sie Gott alles zu verdanken haben – vollkommen unabhaengig von ihrem Alter oder Bildungsgrad.

Das spiegelt sich natuerlich auch in der Sprache wieder. Wo ich anfangs noch kurz zusammenzuckte, weil ichs einfach nicht gewohnt war bzw. mir einfach meinen Teil dazu dachte, bin ich nun vollends dran gewoehnt. Die 3 beliebtesten Phrasen und Ausdruecke, die hierzulande verwendet werden, habe ich nachfolgend fuer Euch zusammengestellt. Vielleicht geht es Euch ja aehnlich wie mir und ihr findet es am Ende dieses Artikels auf irgend eine Weise… niedlich!


1. Gracias a Dios

Wenn es einen Ausdruck gibt, den man in diesem Land wirklich taeglich hoert, ist es neben coño! (Scheisse! Mist!) eindeutig Gracias a Dios! (Gott sei Dank!). Waehrend er im Deutschen fast ausschliesslich dann benutzt wird, wenn eine Situation eine positive Wendung nimmt oder etwas positiv endet, was aber genau so gut haette boese enden koennen, ist der Gebrauch in der Dominikanischen Republik, na sagen wir mal, ein bisschen exzessiver.

Hey, wie gehts?“ – „Gut, Gott sei Dank!“

(Fun Fact: ca. 10 Minuten nachdem ich diesen Absatz geschrieben habe, kommt mein Kollege rein und wir haben exakt DIESEN Dialog. 😀 Ich muss daraufhin lachen und blubber ihn direkt mal voll mit meinen Theorien zu Gracias a Dios in der Dom und Gott sei Dank in Deutschland. Er guckt interessiert bis hoeflich und gleichzeitig verwirrt. Als ich endlich zum Ende komme und er irritiert-laechelnd den Raum verlaesst, denkt er sich bestimmt auch, Gooooott sei Dank, ich dachte, die hoert nie auf!)

Hey, wie war dein Wochenende, alles gut?“ – „Danke, Gott sei Dank alles gut gewesen.“

Hey, hats am Wochenende in Santiago auch so viel geregnet? Hier in Jarabacoa wars echt krass!“ – „Echt? Nee, in Santiago war es sonnig und heiss – Gott sei Dank.“ //  …oder…alternativ dazu: „Jaa, in Santiago auch. Aber Gott sei Dank, denn die Felder brauchten echt mal wieder Wasser.“ (siehe hierzu auch meinen Artikel, den ich an meinem Geburtstag geschrieben habe, ueber die Dominikanische Positivitaet.)

Ich denke, ihr habt einen ersten Eindruck bekommen. Neben diesem Ausdruck, der meistens dann verwendet wird, wenn man ueber die Vergangenheit redet, gibt es noch einen weiteren, der nicht weniger haeufig verwendet wird, der sich aber auf die Zukunft bezieht, und zwar:


2. Si Dios quiere

Si Dios quiere

Si Dios quiere bedeutet soviel wie Wenn Gott will oder Sowahr Gott will. Ich persoenlich finde, dass es im Deutschen erheblich weniger verwendet wird als Gott sei Dank. In meinen Ohren klingt es ehrlich gesagt ein wenig altbacken… So wie ein Ausdruck, den  vermutlich meine Oma verwenden wuerde, wenn ich mal wieder auf Reisen gehe und sie mit ihrem dramatisch-schwarzen Humor versucht, mir ein schlechtes Gewissen zu machen.

Ok Omi, pass auf dich auf. Wir sehen uns dann in 6 Monaten.“ – „Jaja mein Kind. Wenn Gott will.“ //…oder, wenn sie nen schlechten Tag hat oder mich einfach nur aergern will: „Jaja mein Kind. Wolln ma hoffen, dass die Oma dann noch lebt, wonnich?“   (…)

Aber hier sollen ja nun die Gepflogenheiten der Dominikaner im Mittelpunkt stehen, nicht die meiner Oma. Bitte verzeih, werter Leser. Also, wann wird der Ausdruck hier im Lande verwendet? Wenn ich mich in ein paar Monaten von meiner dominikanischen Gastfamilie verabschieden und ihnen versichern werde, dass wir uns bestimmt bald wiedersehen, wuerden sie garantiert genau so antworten wie meine Oma. Aber auch bei weniger dramatischen Abschieden koennen sie einfach nicht anders…:

Machst du Feierabend, Enmanuel?“ – „Ja, ich geh jetzt.“ – „Okay, wir sehen uns Montag“ – „Ok, wenn Gott will.

Hey Edwin, alles gut bei dir?“ – „Sandraaa, ja, Gott sei Dank alles gut.“ – „Wie schoen, freut mich. Bist du spaeter im Gym?“ – „Ja, bin ich.“ – „Okay, dann bis spaeter.“ – „Ja, bis spaeter, sowahr Gott will.“

(Meine anfaenglichen Reflexe, ihn an den Schultern zu packen, einmal zu ruetteln, und zu sagen „Es geht nicht darum was GOTT will, Edwin!! Es geht darum was DU willst! (Oder was ich will.) Willst du spaeter ins Gym oder nicht?? Wenn du willst, dann kommst du, und wir sehen uns spaeter. Wenn du nicht willst, dann kommst du nicht. Aber ich wuerd mich schon freuen, wenn du kommst, weil Zumba mit dir immer lustiger ist. Also KOMM EINFACH!“ Ich glaub einmal ist es ausgebrochen. Da konnt ichs echt nicht mehr zurueckhalten. Vielleicht warns die zur Dramatik neigenden Gene meiner Omi oder einfach nur ein Tag mit leicht gereizter Grundstimmung, quién sabe. Wer weiss.)

Unterm Strich kann man Si Dios quiere bezueglich ALLER zukuenftigen Treffen verwenden – ob es nun unsicher oder eigentlich schon ziemlich sicher ist, dass sie zustande kommen.


3. (Nos) Vamos con Dios

Vamos con Dios

Heisst: Gehen wir mit Gott. / Lasst uns mit Gott gehen. Hier muss ich immer an meinen Motoconcho-Fahrer des Vertrauens denken. (Moto-was? Falls du nicht weisst, was das ist, klick hier.) Amarillo wird er genannt. Zu Deutsch: Gelb. Warum sollte man einem Menschen den Spitznamen Gelb geben? Haben meine Mitfreiwillige und ich uns auch gefragt. Es stellte sich raus: Aufgrund der Farbe seines Motorrads. Also das, was er frueher hatte, fuegt er hinzu, als wir etwas unglaeubig bis besorgt an seinem blauen Motorrad herunterblicken. Was? Er ist farbenblind und wir haben es die ganze Zeit nicht gemerkt?? Coño, mann! Aber gracias a Dios gibt es auf dem Nachhauseweg ja eh keine (roten) Ampeln, die er ueberfahren koennte…

Typischer Dialog mit Amarillo:

Heeey mein Freund, alles gut?“ – „Hallooo! Ja, Gott sei Dank alles gut.“ – „Gut, gut. Bringst du uns nach Hause?“ – „Aber sicher doch, si el señor lo quiere.“  (Anmerkung der Redaktion: Ja, das ist ein Si Dios quiere im Schafspelz, lasst euch nicht taeuschen!“) – „Okay, super, nimmst du meinen Rucksack?“ – „Klar, gib her… Seid ihr bereit?“ – „Ja, fertig!“ – „Okay, nos vamos con Dios!“


La virgen Maria / Die Jungfrau MariaManchmal uebertreibt er ein bisschen. Und nein, ich rede nicht von obigem Dialog. Denn der ist vollkommen normal. Stattdessen rede ich davon, wenn er neben meiner Mitfreiwilligen und mir noch Gott UND die Jungfrau mitnimmt…(=la virgen). Hier mal ein alternatives Ende zu obiger Konversation:

(…) „Seid ihr bereit?“ – „Ja, fertig!“ – „Okay, nos vamos con Dios! Y la virgen!

Weil ich das lustig fand, hab ich gedacht, gut, anscheinend funktionert das hier nach dem Prinzip Besser einer zu viel als zu wenig! Am darauffolgenden Abend, als unsere Konversation beinah identisch zum Vortag verlief, Amarillo den Motor startete und entschlossen und froehlich in den schwarzen Nachthimmel posaunte:

Nos vamos con Dios! Y la virgen!

fuegte ich enthusiastisch hinzu:

Und den Schafen!! (Y las ovejas!)


Waehrend ich mich das so froehlich sagen hoere, faellt mir auf, dass ich mir gar keine Gedanken darueber gemacht habe, wie das bei ihm ankommen koennte. Ist das in seinen Augen wohl schon Gotteslaesterung? Verdammt. Eeehh. Mist! Hoffentlich hab ich den jetzt nicht beleidigt, sonst muss ich in Zukunft zu Fuss nach Hause latschen. Ohne Gott. Ohne Jungfrau. Ohne Schafe.

All das geht mir binnen einer Sekunde durch den Kopf, denn laenger braucht es nicht, bis Amarillo in schallendes Gelaechter ausbricht und mir enthusiastisch zustimmt

Jaja, genau. Mit den Schafen auch! Hahaha. Und mit dem Rucksack!!“ 🙂


Vamos con las ovejas!

 

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